Beim 14. Suppenfest des Nordstadtvereins verwandelte sich die Sudetenlandstraße in eine internationale Suppenküche. Drei Sechstklässlerinnen nutzten das Fest sogar für ein Schulprojekt.
Gießen – Besser hätte es kaum passen können. „Am Morgen kalt, sodass die Leute Verlangen auf ein warmes Süppchen haben. Und jetzt am Mittag herrlicher Sonnenschein“, freute sich Lutz Perkitny, Leiter des Nordstadtzentrums. Tatsächlich spielte das Wetter beim 14. Suppenfest des Nordstadtvereins perfekt mit. Erst Appetitmacher durch kühle Temperaturen. Anschließend blauer Himmel über dem Grünstreifen an der Sudetenlandstraße.
Und dort brodelte es gewaltig. Auf 37 Kochstellen standen unterschiedlichste Suppenvariationen bereit. Mehr als 1000 Portionen hatten Bewohner der Nordstadt und zahlreiche Kooperationspartner vorbereitet. Türkische, eritreische, syrische, kurdische, philippinische, pakistanische und südamerikanische Rezepte gehörten ebenso dazu wie die afrikanische „Königinnen-Agodjie-Suppe“ aus Benin von Achille Laki oder eine klassische deutsche Erbsensuppe von Lucie Betram.
Kulinarischer Streifzug durch die Welt
Was auf den ersten Blick wie ein kulinarischer Streifzug durch die Welt wirkte, ist längst zu einer festen Tradition im Quartier geworden. Zum 14. Mal verwandelte sich der nördliche Rand des Flussstraßenviertels für einige Stunden in eine große Suppenküche. Um 11.30 Uhr wurde das Fest offiziell eröffnet, wenig später waren die ersten Schüsseln gefüllt und das Probieren begann.
Mit dabei war auch das nahe gelegene Landgraf-Ludwigs-Gymnasium. Kunst- und Ethiklehrer Markus Lepper berichtete, dass die Schülervertretung ausdrücklich darauf bestanden habe, eine vegane Suppe zuzubereiten. Suppe zubereiten passte zugleich zum diesjährigen Geschichtswettbewerb der Schule unter dem Motto „Über den Tellerrand“.
Und genau das taten drei Schülerinnen der Klasse 6d im wahrsten Sinne des Wortes. Amelie, Annabelle und Tolin führten erste Interviews mit Suppenlöffelnden und sammelten Kontaktdaten für spätere Gespräche. Sie interessieren sich dabei für die Vielfalt der Kulturen, unterschiedliche Arten der Essenszubereitung und für die Geschichten hinter den Rezepten. Aus dem Suppenfest wird damit zugleich Anschauungsunterricht direkt vor der Schultür.
Gerade diese Mischung macht das Fest seit Jahren aus. Es geht nicht allein darum, möglichst viele Suppen zu kosten. Zwischen den Ständen kamen Bewohner miteinander ins Gespräch, Rezepte wurden ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft. Jung und Alt saßen auf den aufgestellten Bänken zusammen, während sich vor besonders beliebten Töpfen schnell Schlangen bildeten. Manche Lieblingssorten waren am Ende vollständig ausgelöffelt.
Beteiligt waren neben Bewohnern unter anderem die Purik-Tanzgruppe, der Türkische Kunstmusik- und Kulturverein, der Alevitische Kulturverein, die Jugendgruppe der Türkisch-Muslimischen Gemeinde Gießen, der Mesopotamische Kulturverein sowie das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium.
So wurde aus etwas scheinbar Einfachem – einem Teller heißer Suppe – erneut ein Stück gelebte Nordstadt. Und das Wetter? Das servierte zum Nachtisch noch reichlich Sonne.
Text und Bild: Gießener Anzeiger vom 28.09.2026

